Stärken

Sencha am 4. Juni 2009 um 21:30

siddharta2Schwächen finden und der Versuch, diese zu beseitigen sowie das Herausarbeiten eigener Stärken ist eine Lebensaufgabe. Einerseits benötigt der Geist eine schier unmessbare Menge an Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Reinheit und einen starken Anteil Selbstkritik, um eigene Schwächen zu erkennen, zu beobachten, im besten Fall auszumerzen. Andererseits macht jeder von uns permanent einen Haufen Erfahrungen und der eigene Geist und Charakter eine Vielzahl an Veränderungen mit. Diese sind sehr oft nicht von positiver Natur. Ob durch äußere Einflüsse hervorgerufen, durch Probleme wie Vorurteile oder Neid und Stolz verursacht oder durch den einfachen Mangel an Achtsamkeit und Geduld hervorgerufen:

Der Achtsame muß lernen, sich selbst jederzeit zu hinterfragen, auf Reaktionen seiner Umwelt zu achten und stets auf sein Innerstes zu lauschen.

Nur so lassen sich eigene Stärken entdecken, um sie später herauszuarbeiten. Und was noch wichtiger ist: Nur so lassen sich Schwächen enttarnen, analysieren und damit hoffentlich nahezu beseitigen.

Dieses erfordert ein unendliches Maß an Konzentration, Ruhe und zeitweilige Ausblendung des Alltags.

Das probate Mittel hierzu ist die Meditation. Eine Meditationsform, die sich ausschließlich hiermit beschäftigt, ist die sogenannte Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness), oder auch Vipassana genannt. Die einzige Aufgabe des Praktizierenden ist die Konzentration auf den Atem, das achtsame Beobachten des eigenen Inneren.

Aber Meditation, ist das nicht etwas für spirituelle Menschen? Für Mönche und Gläubige? Für Menschen mit zu viel Zeit?

Der Meditierende ist - entgegen der allgemeinen Auffassung des Großteils der modernen Gesellschaft - nicht unbedingt ein besonders religiöser Mensch. Er huldigt auch in den meisten Formen der Meditation nicht einer höheren Kraft im übersinnlichen Sinne. Er ist lediglich an eigener, geistiger Entwicklung und der Ausarbeitung des unter Stress, externen Einflüssen, negativen Beispielen und eigener Unzulänglichkeit begrabenen Geistes interessiert und dient hiermit in erster Linie sich selbst. Aus diesem Blickwinkel ist die Meditation durchaus etwas für jeden von uns, denn was den meisten Menschen der Gegenwart fehlt, ist die Zeit für sich selbst. Wir verlieren uns aus den Augen, weil wir so viel um uns herum zu beobachten haben. Meditationszeit ist demnach qualitative Zeit für die Arbeit an der eigenen Person.

Nicht zuletzt dient der Meditierende der Gesellschaft durch das Beitragen positiver Eigenschaften, gestärktes, echtes Mitgefühl (das durch Achtsamkeitsmeditation entsteht) und hilfreicher Achtsamkeit.

Niemand muß meditieren, aber alle sollten zumindest hin und wieder in sich selbst hineinhören und versuchen, das eigene Innere zu justieren, um nicht vom rechten Weg abzukommen.

Gelassenheit…

Sencha am 21. Mai 2009 um 06:07

cow

Willst Du Deine Kuh im Zaum halten, gib ihr eine große Weide.

Leichter gesagt, als getan, wenn die Nacht unglaublich unruhig war, die eine Tochter seit kurz nach zwölf mit in unserem Bett schlief, ab drei dann anfing zu husten, damit ständig Sohnemann weckte, der “zugedeckt” werden wollte, ab fünf dann um sich tretend quer im Bett lag um dann mit ihrem Husten um sechs Töchterchen zwei zu wecken, die fröhlich gelaunt und quietschend ihrerseits jeden weiteren Schlaf zu verhindern wusste…

Ich bin dann um kurz nach sechs mit den dreien aufgestanden. Anweisungen wie: “Seid bitte leise, Mama schläft noch!” werden als Anweisung für das Gegenteil aufgefasst. Unter’m Küchentisch kann man sich prima dermassen zwischen Stühlen und Tischbeinen verheddern, das man brüllend befreit werden muss. Papas Arbeitstasche gehört definitiv ausgeräumt sowie alle Schubladen, die den Weg dorthin kreuzen und wieso eigentlich darf ich jetzt nicht malen oder kneten?!

Ein ganz normaler Morgen. Aber wo ist die Weide für die Kuhherde bzw. was ist, wenn die Weide voll mit Stacheldraht ist?

Augen schliessen, tief durchatmen und überlegen, ob wirklich alles so schlimm ist und dann ein Alternativprogramm überlegen… Die Mädels bekommen jetzt Frühstück, dann werden alle gewaschen und wir gehen zu Fuss zum Bäcker. Hauptsache erstmal raus, da kann man weniger verwüsten.

Freizeitstress

Sencha am 20. Mai 2009 um 20:59

forestWieso ist es eigentlich so, das man sich sogar in seiner Freizeit gestresst fühlt? Was läuft da verkehrt? Das Freizeit keine “freie Zeit” ist, wie man sie gern und oft verstanden haben würde, das ist klar. Wirkliche Freizeit müsste definiert werden mit “Zeit zur freien Verfügung”. Aber wann hat man tatsächlich Zeit zur freien Verfügung - also freie Verfügung im Sinne von:

ICH kann machen was ICH will, ohne auch nur den Hauch eines schlechten Gewissens haben zu müssen, in dieser Zeit jemand anderen oder wichtigere Dinge zu vernachlässigen.

Genau das fehlt so oft nämlich. Sei es, das man sich in seiner Freizeit endlich einmal um

  • die Kinder
  • den Garten
  • die gemeinsame Freizeitgestaltung mit Familie und Frau im Allgemeinen
  • lernen neuer Dinge
  • Verantwortungsbereichen in Hobbies oder Hobbies überhaupt

kümmert. Wenn hiermit - was ja nicht selten der Fall ist - auch noch teilweise zeitkritische - Pflichten verbunden sind, entsteht Freizeitstress.

Die Zauberei beziehungsweise die Aufgabe ist es, durch Achtsamkeit und Bewusstheit das Positive in diesen Aktivitäten zu wieder zu erkennen und aufkommende negative Gedanken zu identifizieren und durch positive zu ersetzen. Oder eben Aufgaben und Tätigkeiten abzulegen, sollte letzteres nicht funktionieren. Letztlich darf man nicht ausser Acht lassen, das alles nur im Geist passiert. Wer sich in seinen Freizeitaktivitäten nicht wohl und gestresst fühlt, kann und muss bewusst überlegen und entscheiden, ob er dieses oder jenes tatsächlich machen möchte.

Abschließend noch ein Gedanke, der mir in solchen Situationen immer hilft:

Wir lassen uns in der heutigen Zeit ob der vielen Möglichkeiten, die Freizeit toll zu verbringen leider viel zu häufig vormachen, das ALLES, und zwar so aufregend, schnell und individuell wie irgend möglich erlebt werden muss. Jeder versucht, als Bestandteil zur Erreichung des persönlichen Glücks - und das ist nun einmal der Menscheit einheitliches Bestreben - immer mehr und immer umfangreichere Erlebnisse und Aktivitäten in die Freizeit zu integrieren. Die Fähigkeit, einfach mit einem glücklichen Moment zufrieden zu sein, und sei dieser noch so banal, ist uns abhanden gekommen. Wir denken immer schon an das nächste Event, das hoffentlich wieder noch aufregender wird.

Der Trick ist: Wenn etwas gut ist, wenn uns etwas glücklich macht, dann müssen wir wieder lernen, diesen Moment bewusst und achtsam zu erleben, zu verlängern, auszukosten und hieraus Energie zu schöpfen.

Wer zufrieden damit ist, in der Sonne zu sitzen, darf sitzenbleiben.

c# und der Wunsch, endlich richtig coden zu können

Sencha am 19. Mai 2009 um 15:30

csharp…oder auch: Wieso ich grad verkacke!

Und ja, wer das hier liest und Softwaredeveloper ist, der wird sich kaum halten können. Dennoch: Für mich inzwischen als alten Hasen zu bezeichnenden Freak und Autodidakten ist das echt ein Kreuz. Programmierworkshops oder Seminare habe ich noch keine guten besucht oder gefunden. Alle setzen zumindest Vorkenntnisse voraus.

Vorkenntnisse? Hatte ich nicht. Jaaa, hab schon etwas PHP-Erfahrung, habe diverse kleinere Apps in AutoIT, einer Skriptsprache für Windows erstellt oder ein bisschen Word, Excel und Access VBA für manche Projekte benötigt. Aber eine richtige coder-Erfahrung habe ich nicht. Und man lernt tatsächlich nicht nur vom Bücherlesen. Wichtig ist das learning by doing - so sagt der erfahrene Developerkollege aus Dresden immer, bei dem ich diverse Dinge nachfrage.

Und eben dieser ist es auch, der mir den Einstieg mit .net und c# ans Herz legte. .net? Windows? Microsoft? *schüttel* Das mir, als Apple Fanboy. Aber prinzipiell hat er ja Recht. Wir arbeiten in der Firma eben ausschließlich mit Windows. Was nützt es, wenn ich objective-c programmieren kann? Braucht ja keiner. Also dachte ich: So hat man eine Quelle für Problemlösungen und kann bei Bedarf ja später in xcode MONO schreiben. Dann ist es nicht ganz für die Katz, was meine Lieblingsplattform angeht.

Und jetzt kommts:

Ich verkacke gerade, ganz erbärmlich. Learning by doing. Das ich nicht lache. Jeden Tag werde ich mit neuen Projekten zugeschmissen oder mit mal eben kleinen Zwischendurch-Aufgaben getriezt, die Kollegen haben Rechnerprobleme, die Azubis sind krank, im Urlaub oder in anderen Abteilungen und ich komme erst gar nicht zum doing … entsprechend nicht zum learning. Wenn ich nicht bald mal zu potte komme und mich irgendwo für 3 Wochen einschließe, dann wird das nichts. Gebt mir Kraft, glaubt an mich und lasst mich endlich coden lernen. VERDAMMT! :-)
Danke für’s Mitgefühl.

Spinnt der jetzt? Alles doppelt?

Sencha am 18. Mai 2009 um 12:15

confusedJaaa, ich habe es auch eben gesehen.

Ich habe am vergangenen Freitag mit den “Mein Weg” Artikeln angefangen… auf dem iPod. Das lief prima. Und als ich dann den ersten Teil ver√∂ffentlichen wollte, ist der iPod-App beim Upload die WLAN-Verbindung abhanden gekommen mit dem Ergebnis, das der lokale Entwurf auf dem Pod schon gel√∂scht, aber die Ver√∂ffentlichung noch nicht hochgeladen war. RRRRR

Teil 2 war aber schon geschrieben. Also habe ich heute Teil 1 noch einmal verfasst. Nur leider ohne Teil 2 noch einmal vorab zu lesen. Und wenn ich schreibe, dann schreibe ich. Und schreibe. Und schreibe. Jetzt ist alles doppelt. Aber die Texte zu mergen, darauf hab ich keine Lust. Ich mache einfach weiter. Basta. :-)

Ich werde. Teil 2: Geduld…

Sencha am 16. Mai 2009 um 19:30

meditationEs gibt die Berühmten acht Weisheiten im Buddhismus, 1000 und mehr Zitate von dem einen oder anderen (Dalai) Lama, Weisheiten, deren Ursprung bis auf Siddharta himself zurückzuführen sind, die zwölf grundlegenden Lebensprinzipien der Shaolin-Mönche,… Und dennoch umschreiben alle genannten und ungenannten Grundsätze immer wieder das Gleiche. Am ehesten ist die Wirkungsweise dieser Weltansicht bzw. deren Lehrmethode mit altdeutschen Spruch: “Und wenn Du mich hundertmal fragst…, die Antwort bleibt die Gleiche.” zu beschreiben. Es gibt nur eine Hand voll - okay, sagen wir zwei oder drei Hände voll, tatsächliche Essenzen, die am Ende komprimiert zu Tage kommen. Und diese sind so simpel, das jeder von uns, dessen Herz geöffnet ist für seine Umwelt, allein auf die meisten selbst kommen könnte.

Am wichtigsten ist nicht das Verständnis der Lehren, das schnelle aber stupide auswendig lernen. Nein, am wichtigsten ist das Prinzip der Geduld. Sie selbst ist ein essenzieller Bestandteil dieser Lehren, wenn nicht gar der Wichtigste. Denn was ich sehr schnell an mir bemerkt habe: mangelnde Geduld und Beharrlichkeit sind die größten Probleme, der modernen Gesellschaft. Weil sie, beziehungsweise die mit ihr einhergehenden Fähigkeiten Achtsamkeit und Gelassenheit einem Großteil der Menschen fremd sind, entstehen überhaupt erst viele Probleme. So steht sich der Einzelne trotz des eigenen, simplen Anspruchs, einfach nur das für ihn größtmögliche Glück zu erreichen, bei näherer Betrachtung so oft selbst im Weg, das es weh tut. Seien es materielle Anspüche, der Wunsch anderen näher zu kommen, Macht über sie zu erhalten oder die Kontolle über die Situation zu erzwingen, so wie es bei mir der Fall war.

Doch zurück zu meinem Weg. Das Buch “Dalai Lama für Eltern”, das in sich zwar an diverse Buddhistische Glaubenssätze angelehnt ist, aber nicht als ausschliesslich so verstanden werden will, war für mich so etwas wie eine Einstiegsdroge. Endlich verstand ich mich selbst. Nachvollziehbar und ohne HokusPokus höhere Macht Geschwafel.

Direkt das nächste Buch, das mich ansprach war “WabiSabi Keine Zeit und trotzdem glücklich”. Nicht ganz am Thema (und bis heute nicht ausgelesen) handelt es doch in erster Linie auch von Geduld, dem Prinzip der Gegenwart und Achtsamkeit. “Liebe den Moment”, ist das Credo. Und es stimmt. Ich wusste, ich muss an mir arbeiten, lebte ich doch bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich in der Zukunft, in Zielen, Wünschen, Träumen… Oder eben in Erlebtem, tollen Erinnerungen, negativen Erfahrungen, welche natürlich ob ihrer Bewusstheit auch die Gegenwart verdunkelten. Hier wurde das erste Mal für mich der dort behandelte Begriff “Meditation” anschaulich erklärt und zu dieser geraten. Das wollte ich ausprobieren.

Was ich damals noch nicht wusste: es handelt sich hierbei tatsächlich schon um eine Form der Achtsamkeitsmeditation, welche ich heute praktiziere - beziehungsweise zu praktizieren versuche.

Und um zurück zum Thema zu kommen und das Marketingwort für Geduld fördernde Praktiken zu benutzen: Entschleunigung.

Aber was bedeutet Entschleunigung? In diesem Fall (und auf mehr gehe ich an dieser Stelle nicht ein) steht es für: erwarte in der Praxis keine schnellen Fortschritte.

Prinzipiell also das Gegenteil von dem, was ich von mir gewohnt bzw. von dem, was ich mir bislang selbst gestattet hatte.

Ich beschloss also, Meditation zu erlernen.

Bloggen

Sencha am 16. Mai 2009 um 17:27

Die Sache mit bloggen ist schon komisch. Ich denke, spreche und schreibe gern, blogge aber kaum, weil ich es mir zwar immer vornehme, es aber dann zum einen immer auf Zeitmangel schiebe, oder auf die Tatsache, kein Thema zu haben, weil ich mich für keines der vielen in meinem Kopf entscheiden kann.

Hinzu kommt, das ich dann immer direkt denke: “So viel Zeit, jetzt dem Thema mit meinem Post gerecht zu werden, habe ich dann doch nicht.”

Und immer, wenn ich dann schreibe fühlt es sich doch wirklich gut an und das wie ist unbedeutender. Was zählt, ist das ich überhaupt angefangen habe.

Schon komisch, aber gut.

Einfach schreiben.

Ich werde. Teil 1: Ansprüche…

Sencha am 15. Mai 2009 um 07:43

aggression…an mich hatte ich schon immer. Naja, solange ich denken kann auf jeden Fall. Die Art der Ansprüche wandelt sich natürlich im Laufe eines Lebens schon, das ist klar. Und ich möchte es auch jetzt hier nicht ausführen. Es ist nur so - und das soll die Nachricht dieses Absatzes sein - das ich jemand bin, der permanent versucht, an sich zu arbeiten.

Das geht mal in die eine, mal in die andere Richtung, mal in Bezug auf die Aussendarstellung, mal lediglich für die innerliche Entwicklung. Sei es bezogen auf Fähigkeiten emotionaler oder auch nur allgemeiner Natur, geistige Weiterentwicklung oder dem Aufbau von Wissen.

Schon immer interessierte mich die Entwicklung des Geistes und die Fähigkeit, diesen unter komplette Kontrolle zu bekommen am meisten, nur habe ich bis auf ein paar interessante Artikel zum Thema nie irgendeinen Einstieg gesehen. Seit ein paar Jahren praktiziert meine Frau mit sichtbarem Erfolg Yoga. Für Sie ist dies hauptsächlich im körperlichen Sinne relevant und interessant. Mich interessierten hieran spirituellen Bestandteile. Ja, ich habe auch versucht, mit Ihr Yoga zu praktizieren, aber ich glaube, ich komme mir dabei einfach zu affig vor. Wenngleich es sich hierbei um eine wirklich ernst zu nehmende Praxis handelt, die in erster Linie probates Mittel zum Zweck ist, dies aber mit unglaublicher Wirksamkeit. Darüber, dass ich mich inzwischen statt mit Yoga mit Shaolin Qi-Gong beschäftige, was dem Ganzen doch sehr ähnlich ist, berichte ich vielleicht später einmal.

Was ist nun also passiert? Im letzten Februar, am 26.02.2008 sind unsere Mädels geboren worden. Eineiige Zwillinge. Weil sie viel zu früh waren, mussten sie erst einmal für fünf Wochen im Krankenhaus verweilen, bis wir Sie mit nach Hause nehmen durften. Natürlich haben wir versucht, so viel Zeit wie möglich bei ihnen zu verbringen. Nun ist es aber so, das ich rein beruflich sehr eingespannt bin, nebenbei ein Gewerbe betreibe und wir letztlich auch noch unseren damalig zweijährigen Racker haben.

Das Pensum an zu erledigenden Dingen wurde mit den Wochen und Monaten nicht weniger. Im Büro bekam ich wegen des Schlafmangels und der Masse an Anforderungen die auf einen in solch einer Situation einprasseln, längst nicht mehr alles geschafft. Diverse Projekte kamen zusätzlich hinzu. Irgendwann ist dann erst einmal Schluß. Man beginnt zu “funktionieren” und einfach nur noch zu versuchen, nicht unterzugehen. Ein hierbei noch viel größeres Problem ist ein eintretender Kontrollverlust, einhergehend mit Aggressivität und schlechter Laune, der sich immens auf den Umgang mit den Mitmenschen auswirkt… Und das ist mal sehr wohlwollend formuliert. Irgendwo wirken sich dann die Grenzen der Belastbarkeit eben aus.

Es musste dringend eine Lösung her. So konnte es nicht weiter gehen. Als dann im September alles wieder etwas ruhiger wurde, stand auch endlich der Familienurlaub an: zwei Wochen in ein Ferienhaus an die Ostsee. Man kann echt sagen, das es ab hier wieder besser wurde. Wir rafften uns alle wieder zusammen, die Mädels begannen langsam, die wirklich überaus ausgeprägte und dem ganzen Trubel der letzten Monate noch das i-Tüpfelchen aufsetzende Angewohnheit, die Hälfte der getrunkenen Milch rückwärts wieder auszuwerfen stark einzuschränken und entschieden sich stattdessen für rumrollen und spielen und auch das Verhältnis untereinander und zum Sohnemann wurde wieder besser.

Meine Frau startete einen neuen Anlauf, mir Yoga nahezubringen, weil ich äußerte, das ich vielleicht einmal über Meditation nachdenken wolle. Anfangs war ich der Auffassung, Meditation, das müsse schon irgendwie “besonders” praktiziert werden. Also wollte ich es - ja ja, lacht ruhig - mal mit dem Kopfstand probieren. Beim probieren und mehrfachem Fallen aufs Steissbein und die Lendenwirbel blieb es dann aber auch. Wenn ich dann mal angelehnt an eine Wand stand, stieg mir das Blut in den Kopf und vor lauter Anstrengung konnte ich kaum atmen. Beim Sonnengruß vergaß ich oft die Abläufe und irgendwie war mir das auch alles zu hektisch. Nein, ich wollte meditieren. Aber wie?

In Timmendorf gibt es einen sehr nettes, kleines Buch- und Antiquitätenlädchen an der Strandpromenade. Besuchern von Timmendorf dürfte es bekannt sein. Umsäumt von einem mit Buddhastatuen und Zen-artig anmutenden Elementen, hübschen Garten steht dieses sehr schöne, pagodenähnliche Gebäude, eine Niederlassung von Mikado-Asiatica. Wir, mit unserem irgendwie schon Buchladen-Fetisch zu nennenden Hang zu solchen Örtlichkeiten waren natürlich direkt am ersten genötigt, etwas von der Urlaubskasse dort zu lassen. Und hier fand ich dann auch einen kleinen Ratgeber namens Das Dalai-Lama Prinzip für Eltern. DAS kann man letztlich betrachtet wirklich als Einstiegsdroge für mich bezeichnen.

Nachdem ich diesen kleinen aber feinen Schmöker in kürzester Zeit versucht habe, nicht nur zu lesen sondern direkt zu verinnerlichen, war ich sozusagen angefixt. Das ich darauf noch nicht eher gekommen bin. Dieses Buch ist nun nicht einmal wirklich auf eine bestimmte Glaubensrichtung oder ähnliches bezogen, nein, es nutzt nur buddhistische Weisheiten aus diversen Stilrichtungen und Kulturen - auch Yoga Elemente sind enthalten - um dem Leser Möglichkeiten für eine ausgeglichene Kindererziehung und die Bewältigung von verschiedenen Situationen an die Hand zu geben. Und hier fand ich wie gesagt, was ich die ganze Zeit gesucht hatte: Gesunden Menschenverstand verpackt in jahrtausende alten, überlieferten und durchweg erfolgreich erprobten Weisheiten.

Alles, was ich las, war nachvollziehbar. So nachvollziehbar, das man das sich ständig selbst wiederfindet um dann zu denken: Mist, da hätte man wirklich auch selbst drauf kommen können.

Bei einem späteren Besuch in dem Laden habe ich dann wieder zugeschlagen. WabiSabi - Keine Zeit und trotzdem glücklich. Wieso nun das? Wie eben schon beschrieben, war das, was ich als größtes Problem erachtete, die Unzufriedenheit hinsichtlich des Zeitmangels. Man wurde einfach nicht mehr allem gerecht. Dieses Buch ist definitiv eine Empfehlung - aber ich habe es bis heute nicht zu Ende gelesen. :-) Es geht für mich ‘noch’ zumindest in die falsche Richtung. Heute weiß ich: Zuerst müssen die Wellen des unruhigen Geistes geglättet werden, dann kann am Geist selbst gearbeitet werden. In jedem Fall umschreibt WabiSabi das, was mich bis heute fesselt: Achtsamkeit. Und auch hier wird die Achtsamkeitsmeditation empfohlen. Zwar auf eine andere Art und Weise (heute praktiziere ich Vipassana), aber vom Prinzip her recht ähnlich.

Nach einigen mehr oder weniger erfolgreichen Anläufen kam dann für mich zwei Monate später noch das Buch schlechthin hinzu: Shaolin - Du musst nicht kämpfen um zu siegen. Hier geht es um die 12 Lebensprinzipien der Shaolin-Mönche und deren Anwendung und Praxis in der heutigen Zeit. Die vom Buchhändler verlangten 15 € für dieses nebenbei toll gestaltete, gebundene Werk sind meiner bescheidenen Meinung nach absolut untertrieben. In kleinen Dosen gelesen, durchgearbeitet und verinnerlicht birgt dieses Buch das Rezept für ein entspanntes, erfülltes und erfolgreiches Leben. Aus diesem Grund habe ich damals auch mein Blog mit diesem Untertitel betitelt. Sicherlich werde ich hierauf später auch noch einmal zurückkommen.

Angst hilft?

Sencha am 15. März 2009 um 06:58

Manchmal ist es erschreckend, was man gerade in Bezug auf Kindererziehung noch für Auffassungen und Meinungen vorfindet. Klar, das ist ein Thema, bei dem es tausende Meinungen gibt, von denen natürlich nicht nur eine die einzig richtige ist.

Gestern auf dem Spielplatz jedoch sagte eine Mutter etwas zu ihren blondbezopften ca. 4-7 Jahre alten Mädels, das mir das Blut in den Adern gefrieren lies. Heftiger jedoch war noch der Gedanke im Anschluß: Früher war das immer so, das solche Dinge gesagt wurden. Und ich meine jetzt nicht Atze Schröders “Cedrik, Mama geht jetzt” in hundertfacher Wiederholung. Nein, diese Mama sagte:

“Kommt jetzt bitte endlich, ich muss noch essen machen. Sonst gehe ich gleich alleine und dann kommt der Kindermörder und holt Euch!”

Mehr Achtsamkeit

Sencha am 12. März 2009 um 20:18

Zazen sollte ein Hobby werden, nein sogar mehr als das. Ein Teil meiner Persönlichkeit, meines Lebens. Vor allem der Anker für die charakterliche Entwicklung in Richtung der nachvollziehbaren, buddhistischen Lehren.

Klappte einige Zeit sehr gut, dann gewann wieder mehr und mehr der Alltag mit seinem Stress die Kämpfe um das bisschen Freizeit. Das bedrückt mich.

Ab jetzt muß wieder mehr Zen in mein Leben, mehr Achtsamkeit, mehr Ruhe. Ich habe meinen Geist unter Kontrolle, nicht meine Umwelt.