…an mich hatte ich schon immer. Naja, solange ich denken kann auf jeden Fall. Die Art der Ansprüche wandelt sich natürlich im Laufe eines Lebens schon, das ist klar. Und ich möchte es auch jetzt hier nicht ausführen. Es ist nur so - und das soll die Nachricht dieses Absatzes sein - das ich jemand bin, der permanent versucht, an sich zu arbeiten.
Das geht mal in die eine, mal in die andere Richtung, mal in Bezug auf die Aussendarstellung, mal lediglich für die innerliche Entwicklung. Sei es bezogen auf Fähigkeiten emotionaler oder auch nur allgemeiner Natur, geistige Weiterentwicklung oder dem Aufbau von Wissen.
Schon immer interessierte mich die Entwicklung des Geistes und die Fähigkeit, diesen unter komplette Kontrolle zu bekommen am meisten, nur habe ich bis auf ein paar interessante Artikel zum Thema nie irgendeinen Einstieg gesehen. Seit ein paar Jahren praktiziert meine Frau mit sichtbarem Erfolg Yoga. Für Sie ist dies hauptsächlich im körperlichen Sinne relevant und interessant. Mich interessierten hieran spirituellen Bestandteile. Ja, ich habe auch versucht, mit Ihr Yoga zu praktizieren, aber ich glaube, ich komme mir dabei einfach zu affig vor. Wenngleich es sich hierbei um eine wirklich ernst zu nehmende Praxis handelt, die in erster Linie probates Mittel zum Zweck ist, dies aber mit unglaublicher Wirksamkeit. Darüber, dass ich mich inzwischen statt mit Yoga mit Shaolin Qi-Gong beschäftige, was dem Ganzen doch sehr ähnlich ist, berichte ich vielleicht später einmal.
Was ist nun also passiert? Im letzten Februar, am 26.02.2008 sind unsere Mädels geboren worden. Eineiige Zwillinge. Weil sie viel zu früh waren, mussten sie erst einmal für fünf Wochen im Krankenhaus verweilen, bis wir Sie mit nach Hause nehmen durften. Natürlich haben wir versucht, so viel Zeit wie möglich bei ihnen zu verbringen. Nun ist es aber so, das ich rein beruflich sehr eingespannt bin, nebenbei ein Gewerbe betreibe und wir letztlich auch noch unseren damalig zweijährigen Racker haben.
Das Pensum an zu erledigenden Dingen wurde mit den Wochen und Monaten nicht weniger. Im Büro bekam ich wegen des Schlafmangels und der Masse an Anforderungen die auf einen in solch einer Situation einprasseln, längst nicht mehr alles geschafft. Diverse Projekte kamen zusätzlich hinzu. Irgendwann ist dann erst einmal Schluß. Man beginnt zu “funktionieren” und einfach nur noch zu versuchen, nicht unterzugehen. Ein hierbei noch viel größeres Problem ist ein eintretender Kontrollverlust, einhergehend mit Aggressivität und schlechter Laune, der sich immens auf den Umgang mit den Mitmenschen auswirkt… Und das ist mal sehr wohlwollend formuliert. Irgendwo wirken sich dann die Grenzen der Belastbarkeit eben aus.
Es musste dringend eine Lösung her. So konnte es nicht weiter gehen. Als dann im September alles wieder etwas ruhiger wurde, stand auch endlich der Familienurlaub an: zwei Wochen in ein Ferienhaus an die Ostsee. Man kann echt sagen, das es ab hier wieder besser wurde. Wir rafften uns alle wieder zusammen, die Mädels begannen langsam, die wirklich überaus ausgeprägte und dem ganzen Trubel der letzten Monate noch das i-Tüpfelchen aufsetzende Angewohnheit, die Hälfte der getrunkenen Milch rückwärts wieder auszuwerfen stark einzuschränken und entschieden sich stattdessen für rumrollen und spielen und auch das Verhältnis untereinander und zum Sohnemann wurde wieder besser.
Meine Frau startete einen neuen Anlauf, mir Yoga nahezubringen, weil ich äußerte, das ich vielleicht einmal über Meditation nachdenken wolle. Anfangs war ich der Auffassung, Meditation, das müsse schon irgendwie “besonders” praktiziert werden. Also wollte ich es - ja ja, lacht ruhig - mal mit dem Kopfstand probieren. Beim probieren und mehrfachem Fallen aufs Steissbein und die Lendenwirbel blieb es dann aber auch. Wenn ich dann mal angelehnt an eine Wand stand, stieg mir das Blut in den Kopf und vor lauter Anstrengung konnte ich kaum atmen. Beim Sonnengruß vergaß ich oft die Abläufe und irgendwie war mir das auch alles zu hektisch. Nein, ich wollte meditieren. Aber wie?
In Timmendorf gibt es einen sehr nettes, kleines Buch- und Antiquitätenlädchen an der Strandpromenade. Besuchern von Timmendorf dürfte es bekannt sein. Umsäumt von einem mit Buddhastatuen und Zen-artig anmutenden Elementen, hübschen Garten steht dieses sehr schöne, pagodenähnliche Gebäude, eine Niederlassung von Mikado-Asiatica. Wir, mit unserem irgendwie schon Buchladen-Fetisch zu nennenden Hang zu solchen Örtlichkeiten waren natürlich direkt am ersten genötigt, etwas von der Urlaubskasse dort zu lassen. Und hier fand ich dann auch einen kleinen Ratgeber namens Das Dalai-Lama Prinzip für Eltern. DAS kann man letztlich betrachtet wirklich als Einstiegsdroge für mich bezeichnen.
Nachdem ich diesen kleinen aber feinen Schmöker in kürzester Zeit versucht habe, nicht nur zu lesen sondern direkt zu verinnerlichen, war ich sozusagen angefixt. Das ich darauf noch nicht eher gekommen bin. Dieses Buch ist nun nicht einmal wirklich auf eine bestimmte Glaubensrichtung oder ähnliches bezogen, nein, es nutzt nur buddhistische Weisheiten aus diversen Stilrichtungen und Kulturen - auch Yoga Elemente sind enthalten - um dem Leser Möglichkeiten für eine ausgeglichene Kindererziehung und die Bewältigung von verschiedenen Situationen an die Hand zu geben. Und hier fand ich wie gesagt, was ich die ganze Zeit gesucht hatte: Gesunden Menschenverstand verpackt in jahrtausende alten, überlieferten und durchweg erfolgreich erprobten Weisheiten.
Alles, was ich las, war nachvollziehbar. So nachvollziehbar, das man das sich ständig selbst wiederfindet um dann zu denken: Mist, da hätte man wirklich auch selbst drauf kommen können.
Bei einem späteren Besuch in dem Laden habe ich dann wieder zugeschlagen. WabiSabi - Keine Zeit und trotzdem glücklich. Wieso nun das? Wie eben schon beschrieben, war das, was ich als größtes Problem erachtete, die Unzufriedenheit hinsichtlich des Zeitmangels. Man wurde einfach nicht mehr allem gerecht. Dieses Buch ist definitiv eine Empfehlung - aber ich habe es bis heute nicht zu Ende gelesen.
Es geht für mich ‘noch’ zumindest in die falsche Richtung. Heute weiß ich: Zuerst müssen die Wellen des unruhigen Geistes geglättet werden, dann kann am Geist selbst gearbeitet werden. In jedem Fall umschreibt WabiSabi das, was mich bis heute fesselt: Achtsamkeit. Und auch hier wird die Achtsamkeitsmeditation empfohlen. Zwar auf eine andere Art und Weise (heute praktiziere ich Vipassana), aber vom Prinzip her recht ähnlich.
Nach einigen mehr oder weniger erfolgreichen Anläufen kam dann für mich zwei Monate später noch das Buch schlechthin hinzu: Shaolin - Du musst nicht kämpfen um zu siegen. Hier geht es um die 12 Lebensprinzipien der Shaolin-Mönche und deren Anwendung und Praxis in der heutigen Zeit. Die vom Buchhändler verlangten 15 € für dieses nebenbei toll gestaltete, gebundene Werk sind meiner bescheidenen Meinung nach absolut untertrieben. In kleinen Dosen gelesen, durchgearbeitet und verinnerlicht birgt dieses Buch das Rezept für ein entspanntes, erfülltes und erfolgreiches Leben. Aus diesem Grund habe ich damals auch mein Blog mit diesem Untertitel betitelt. Sicherlich werde ich hierauf später auch noch einmal zurückkommen.